Nationalspielerin feierte bei den German Open internationales Comeback
Kristin Lang: Experiment zwischen Tischtennis- und Wickeltisch
Gerade mal fünf Wochen nach der Geburt ihrer Tochter stand Kristin Lang wieder in der Bundesliga für ihren Verein SV DJK Kolbermoor am Tisch. Jetzt, etwas mehr als drei Monate nach dem freudigen Ereignis, wagte sie sich bei den German Open in Bremen auch an ein internationales Top-Turnier. Konnte das gutgehen?
Willi Baur 26.03.2018

Bremen/Düsseldorf. Gerade mal fünf Wochen nach der Geburt ihrer Tochter stand Kristin Lang wieder in der Bundesliga für ihren Verein SV DJK Kolbermoor am Tisch. Drei Monate nach dem freudigen Ereignis wagte sie sich bei den German Open in Bremen auch an ein internationales Top-Turnier. Konnte das gutgehen?

Es ging gut. „Es hat sogar super geklappt“, freut sich die 33-Jährige, im Jahr nach der Hochzeit mit Ehemann Jochen in der Szene immer noch besser bekannt unter ihrem Mädchennamen Silbereisen. Dabei ging es für das Paar bei dem „kleinen Testturnier“ an der Weser natürlich nicht mehr um medizinische Fragestellungen.

Im Vordergrund standen vielmehr sportliche und mehr noch organisatorische Aspekte: „Ob es überhaupt geht und ob es gut ist für Carolin“. präzisiert die langjährige Nationalspielerin die Ausgangslage vor ihrer Rückkehr in das DTTB-Team.

Klar, der Trainingsrückstand war so schnell nicht aufzuholen. Ihr letzter Bundesliga-Einsatz datiert im September, danach hat sie die Praxis im Tisch immer mehr zurückgefahren. „Zuletzt nur noch ein bisschen Rückhand, aber das konnte man nicht mehr Training nennen.“ Im Grunde sei es nur noch darum gegangen, „das Gefühl für Schläger und Ball nicht zu verlieren“.

Positiv, andererseits: „Ich konnte in den vergangenen Wochen wieder überraschend gut schlafen“, stellt Kristin Lang fest, bekanntlich keine schlechte Basis für Erfolg im Leistungssport. Sieben bis acht Stunden schlafe Carolin normalerweise durch, so die junge Mutter, „da kann man gut klarkommen“.

So habe sie in den letzten Wochen ihr Trainingspensum wieder hochgefahren. Auf rund 60 Prozent taxierte sie ihr Leistungsniveau vor der Fahrt nach Bremen, ausreichend immerhin für eine recht ordentliche Bilanz. Zweite wurde sie in ihrer Vorrundengruppe, Platz eins geriet angesichts der Stärke der Chinesin Fan Siqi nicht in Sichtweite.

Ihr musste sich die mit ihrer Familie in Düsseldorf lebende Doppel-Europameisterin nach sechs Sätzen beugen, aber Katharina Michajlova hat sie besiegt und auch die Ungarin Szandra Pergel, „keine schlechte Spielerin“, wie sie zuvor schon wusste.

„Ich bin schon zufrieden“, beurteilte Kristin Lang ihre sportliche Bilanz von Bremen. Für sie freilich während des Turniers nicht minder wichtig: Die rundum guten familiären Erfahrungen, insbesondere der „modernen Arbeitsteilung“ geschuldet. „Mein Mann hat mir viel geholfen, konnte seine Termine um meine Spiele herum arrangieren.“

Mehr als plausibel klingt denn auch ihre Aussage: „Die Konzentration auf das Turnier ist für mich kein Problem, wenn ich weiß, dass Carolin beim Papa gut versorgt ist.“ Vielleicht auch ein Modell für die Weltmeisterschaften Ende April im schwedischen Halmstadt?

„Das wäre der Plan, wenn der DTTB die Lösung mitträgt“, lässt die Sportlerin durchblicken. Denn für zwei Wochen ohne die Mutter sei Carolin noch zu klein. Für den Fall von Schritt eins versteht sich: „Ich hoffe schon, dass ich für die WM nominiert werde.“ Eine „Mitleidsnominierung“ aber wolle sie nicht.

„Ich möchte mich sportlich qualifizieren“, sagt sie selbstbewusst. Auch deswegen habe sie sich für den Wettkampf in Bremen entschieden. „Und ich wollte den Trainern zeigen, dass ich noch einen ordentlichen Ball spielen kann.“

Ihre Bestform werde sie wohl bis zu den Titelkämpfen nicht mehr ganz erreichen, meint Lang realistisch. „Aber ich hoffe durchaus, dass ich der Mannschaft dort helfen kann.“ Dazu will sie ihre zuletzt praktizierte Trainingsintensität im Düsseldorfer Leistungszentrum beibehalten.

Ein weiteres Motiv dazu verhehlt sie nicht: „Wir wollen ja in Kolbermoor endlich Meister werden“, unterstreicht sie die Ambitionen des bayerischen Klubs, „und dazu muss ich ebenfalls fit sein“.

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