Kristin Böttcher war bei den German Open in Bremen erstmals als Volunteer im Einsatz
Für das Ballkind von einst schließt sich der Kreis
Bremen. Im Sprachgebrauch ihrer Generation hieße man Kristin Böttcher wohl eine „coole Socke“. Als Kompliment, versteht sich - für ein Nervenkostüm der Kategorie Timo Boll. Was die junge Frau, Ende Februar volljährig geworden und damit eine der jüngsten weiblichen Volunteers bei den German Open, in den Tagen von Bremen gleich mehrfach unter Beweis stellte.
Willi Baur 26.03.2018

Bremen. Im Sprachgebrauch ihrer Generation hieße man Kristin Böttcher wohl eine „coole Socke“. Als Kompliment, versteht sich - für ein Nervenkostüm der Kategorie Timo Boll. Was die junge Frau, Ende Februar volljährig geworden und damit eine der jüngsten weiblichen Volunteers bei den German Open, in den Tagen von Bremen gleich mehrfach unter Beweis stellte.

Freitagnachmittag in der Bremer ÖVB-Arena: Noch wenige Minuten vor ihrem nächsten Einsatz als Interviewerin für den Weltverband ITTF plaudert Kristin ganz entspannt über ihre Aufgaben bei diesem Turnier, über ihre Motivation für das ehrenamtliche Engagement und über viele andere Dinge mehr.

Solide Abivorbereitung ganz nebenbei

Und wenn sie an der Reihe ist mit ihrem Mikrofon, bei Siegern wie bei Verlierern, geht sie unerschrocken zur Sache, hilft bei Bedarf auch nach mit klugen Fragen, wie selbst professionelle Kollegen respektvoll bestätigen. Wobei freilich diese Indizien für ihre Nervenstärke übertroffen werden von einem ganz anderen Aspekt: „Nun, der Zeitpunkt könnte besser sein“, beschreibt sie reichlich trocken die Tatsache, dass sie die Ferien für den Einsatz an der Weser anstatt zur Abiturvorbereitung  nutzt.

In zweieinhalb Wochen stehe die Reifeprüfung an, rechnet die Schülerin vor, „das reicht schon noch für eine solide Vorbereitung“. Zudem bliebe zum Lernen ja auch Zeit am Abend und auf der Fahrt, kein Grund zur Aufregung also. Auch mit den Gründen für ihre ungewöhnliche Prioritätensetzung hält sie keinesfalls zurück. Wertvolle Erfahrungen im Hinblick auf ihre mögliche Berufswahl verspricht sie sich nach eigener Aussage bei der Großveranstaltung: Einblicke, praxisnahe Übungen, vielleicht auch einige nützliche Kontakte.

Neuseeland ruft

Sportmanagement nämlich könnte sich für Kristin zu einem bevorzugten Studiengang herauskristallisieren, so ganz genau weiß sie das (noch) nicht. Zeit zum Nachdenken darüber zeichnet sich jedoch ab. „Nach dem Abi geht es erst einmal für ein Jahr nach Neuseeland“, so ihr Plan. Teilweise zum Arbeiten, teilweise um das Land anzusehen, auf jeden Fall auch um ihre Sprachkenntnisse zu vertiefen.

„Mein Englisch ist ja ganz gut“, stellt sie fest, aber eine längere praktische Anwendung könne sicher nicht schaden. Gleiches bieten in gewisser Weise ja auch die Tage in Bremen, nur begrenzt freilich und in einem ziemlich speziellen Metier. Schließlich wirken die Statements nicht selten austauschbar, öfter jedenfalls als von individueller Qualität geprägt.

Wie auch immer: Sie wollen bearbeitet sein, vielfach auch übersetzt und dies ziemlich schnell. Insofern schon eine anspruchsvolle Aufgabe. Zudem eine, die ihr nach eigenem Bekunden viel Spaß macht. Auch weil sich die Akteure dem Vernehmen nach ihr gegenüber „sehr sympathisch und intelligent, meistens auch fair verhalten“.

Vom Ballkind zur Interviewerin

Kristin Böttchers Aufgabenspektrum vor Ort indes war und ist nicht auf die ITTF-Zuarbeit beschränkt. Bei der Auslosung hat sie mitgeholfen und an den beiden ersten Tagen bediente sie für zwei Tische den Live-Ticker, an sich kein Hexenwerk, aber an eine hohe Konzentrationsfähigkeit geknüpft und an ein gutes Auge dazu. Denn die von ihr betreuten Tische befanden sich von ihrem Arbeitsplatz aus gesehen an der gegenüber liegenden Stirnseite der Arena. Und ein weiterer Einsatz der Vielseitigen ist für den Schlusstag vorgesehen: Als Hostess bei den Siegerehrungen. Womit sich irgendwie ein Kreis schließt. Bei der Eröffnungsfeier der WM 2006 an gleicher Stelle durfte die kleine Kristin nämlich als Ballkind einlaufen.

So ganz zufällig war die Rollenverteilung natürlich nicht. Vielmehr war im Hintergrund schon eine steuernde Hand am Werk: Mutter Sandra leitet seit 2002 bei allen Tischtennis-Großveranstaltungen in Bremen das Volunteersbüro, ist ihrem Sport auch nach wie vor als Mitglied einer Herrenmannschaft verbunden. Kristins Vater hat ebenfalls Tischtennis gespielt, musste gesundheitlich bedingt aber den Schläger aus der Hand legen. Und die Tochter? Da fiel der Apfel doch recht weit vom Stamm. „Zum Tischtennis begleitet habe ich meine Eltern oft“, erinnert sie sich, selbst gespielt aber nie. Reiten ist ihre bevorzugte Passion und drei Mal pro Woche geht’s ins Fitness-Studio.

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