Bilanz-Pressekonferenz: Bremen erneut ein perfektes Pflaster für Tischtennis
Besucherrekord: 13.200 Zuschauer bei tollen German Open
Nein, das war keine Überraschung: Bremen bleibt ein tolles Pflaster für internationales Spitzentischtennis! Die Verantwortlichen zogen denn auch eine rundum positive Bilanz dieser German Open, inzwischen die siebte Großveranstaltung um den kleinen Ball an der Weser seit 1999.
Willi Baur 25.03.2018

Bremen. Nein, das war keine Überraschung: Bremen bleibt ein tolles Pflaster für internationales Spitzentischtennis! Die Verantwortlichen zogen denn auch eine rundum positive Bilanz dieser German Open, inzwischen die siebte Großveranstaltung um den kleinen Ball an der Weser seit 1999.

DTTB-Präsident Michael Geiger durfte sich nicht nur über eine herausragende Veranstaltung, sondern auch über bemerkenswerte Zuschauerzahlen in der ÖVB-Arena freuen: „Mehr als 13.000 Zuschauer sind in die ÖVB Arena gekommen, das hatten wir noch nie.“ Genauer: 13.200 passierten diesmal in Bremen die Einlasskontrollen, mehr gab es noch nie bei diesem Wettbewerb.

Globales Interesse an den German Open

Wobei die Strahlkraft der German Open nicht nur auf das Einzugsgebiet der Hansestadt beschränkt war. ITTF-Chef Thomas Weikert sprach vielmehr von eindrucksvollen globalen Übertragungszeiten, nach Asien insbesondere, diesmal unter anderem aber auch nach Australien und Brasilien. Letzteres fraglos dem dortigen Star und Überraschungsfinalisten der Qatar Open, Hugo Calderano, geschuldet, der freilich aus seiner Sicht zu früh die Heimreise zu seinem oberschwäbischen Klub Ochsenhausen antreten musste.

Unbestritten damit, so der deutsche ITTF-Präsident: „Der Stellenwert der World Tour wie der German Open steigt weltweit.“ Dazu trägt auch die immer perfektere Präsentation bei, wie Weikert und Geiger feststellten.  Beide dankten in diesem Zusammenhang auch der gastgebenden Stadt und dem Hallenmanagement für die exzellente Zusammenarbeit.

Positive Bilanz der Bremer Organisatoren

Klar, dass von der medienwirksamen Veranstaltung auch der heimische Tischtennis-Fachverband profitieren möchte. „Die Resonanz an unserem Info-Stand war groß“, freute sich jedenfalls FTTB-Präsident Tobias Genz. Er durfte überdies nicht ohne Stolz feststellen, dass sich ein großer Teil der rund 160 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer aus dem Raum Bremen rekrutierten.

Mehr als 50 Leute hatten schon im Vorfeld angepackt, um die Hallen auf den aktuellen Bedarf umzurüsten - über Nacht sozusagen. Aber: „Das ist für uns Alltag“, gab sich der verantwortliche Mann an der Spitze der ÖVB Arena, Andreas Adolph, sehr gelassen.

Aufregende Tage für Richard Prause

Aufregend und mit vielen Wechselbädern der Gefühle verliefen die Bremer Tage für den Sportdirektor des DTTB, Richard Prause. Bei den Damen konstatierte Prause fünf Wochen vor der WM in Schweden eine „im Augenblick dünne Spielerdecke - umständehalber“, sah in Bremen aber „positive Ansätze“, um mit einem schlagkräftigen Team in Halmstadt antreten zu können. Von den Medaillenrängen aber dürfte die Mannschaft „doch etwas entfernt“ bleiben.

Prause bescheinigte den männlichen Akteuren des DTTB in Bremen insgesamt „einen Auftritt als starkes Team“. Ihm sei bewusst, dass derzeit mit Boll und Ovtcharov zwei herausragende Spieler dem Tischtennis hierzulande seit vielen Jahren „ihren Stempel aufdrücken“, so der Sportdirektor, „aber zwei reichen uns nicht“. Ziel sei eine breitere Spitze, „und hier sind wir auf einem guten Weg“.

Franziska hat Blut geleckt

Was Richard Prause in seiner Bremen-Bilanz nicht nur an den guten Leistungen des Quintetts Filus, Walther, Steger, Duda und festmachen wollte, sondern – naheliegend – vor allem am Überraschungs-Halbfinalisten Patrick Franziska. „Ich glaube, er hat hier Blut geleckt und will weiter nach vorne“, räsonierte der DTTB-Sportchef - und würdigte vor allem, dass sich der Halbfinalist aus der Qualifikation heraus durch die Runden bis in das Halbfinale gekämpft habe.

 „Eine Qualifikation bei den German Open dürfte gar nicht Qualifikation heißen. Wenn ein Weltranglisten-19. in der Quali antreten muss, dann sollte das nicht Qualifikation heißen. Das ist zweifelsohne schon ein Teil des Weltklassefeldes der German“, analysierte Prause. Aus seiner Sicht ein ganz wichtiger Faktor für Franziskas Erfolg: „Ihm ist es gelungen, den Spannungsbogen von Dienstag bis zum Sonntag aufrecht zu erhalten.“ Und, ganz wichtig: „Er hat an sich geglaubt, und das hat ihm geholfen.“

Boll auf einem sehr guten Weg

Schade, befand er zu Timo Bolls Niederlage gegen Ma Long, „dass er hier einige gute Chancen ausgelassen hat“. Aber der Düsseldorfer gewinne nach seiner Pause „mehr und mehr an Form“, die Steigerung sei gegen Chuang Chih-Yuan und gegen den von Satz zu Satz sichtbar gewesen: „Drei Sätze war Timo mit Ma Long auf Augenhöhe.“

Und, klar, es gebe da auch ein Sorgenkind, räumte Prause ein. „Aber Dimitrij Ovtcharov ist erfahren genug, um mit seiner Verletzung richtig umzugehen.“ Er sei optimistisch, dass der World-Cup-Sieger nach ärztlicher Behandlung rechtzeitig vor der WM wieder ins Training einsteigen werde.

China ist der WM-Favorit

Was die WM angehe, solle die Setzliste nicht zum Maßstab der Erwartungen werden. Zwar sei das DTTB-Team hier die Nummer eins, „aber erst einmal müssen wir uns unter allen anderen Verfolgern Chinas durchsetzen“, sagt der Sportdirektor. Was schon schwer genug sei mit Gegnern wie Japan, Südkorea, Hongkong, Taiwan oder etwa den Franzosen.

Man sei aber, insgesamt betrachtet, China vom Niveau her „näher gerückt“, so Prause, „aber China bleibt der Favorit“. An der berechtigten Zielsetzung ändert das nichts. Prause: „Der Zeitpunkt, um den Weltmeister bei der WM sportlich herauszufordern, wird hoffentlich das letzte Spiel des Turniers sein.“

für die gewählte Kategorie sind keine Artikel vorhanden.